Neujahrsempfang am 11.01.2020

Steigt man die freitragende Stahltreppe im Hinterhof des Mietshauses im Kasteler Ortskern nach oben, ahnt der erstmalige Besucher noch nicht, was dort in der ersten Etage des Hinterhauses auf ihn zukommt. Der regelmäßige Teilnehmer am Neujahrsempfang der CDU Mainz-Kastel weiß jedoch, welches stilvolle Ambiente das Lilienpalais zu bieten hat. Dort findet zwischen Bühne, Filmplakaten und Theaterutensilien seit einigen Jahren jeweils zu Jahresbeginn ein Get-Together mit spritzigen Getränken, Canapés und vor allem einer programmatisch-politischen Leistungsschau statt, wie sie ihresgleichen sucht.
Auch in diesem Jahr wurden die Gäste wieder mit einem Glas Sekt an der Tür empfangen, bevor die Vorsitzende der CDU Mainz-Kastel, Ute Pohl, die offizielle Begrüßungsansprache anstimmte, bei der sie in gewohnt charmanter Art und Weise die Anwesenden begrüßte und dabei die Herrn Staatsminister des Landes Hessen Prof. Dr. Lorz (Kultus) und Dr. Schäfer (Finanzen), den Stadtältesten Manfred Kleinort, den Wiesbadener Planungsdezernenten Hans-Martin Kessler, den Fraktionsvorsitzenden der Wiesbadener Rathaus-CDU, Dr. Bernd Wittkowski, den Fraktionsgeschäftsführer Gunnar Koerdt, die Stadtverordneten Jutta Deusser-Bettin, Hans-Joachim Hasemann-Trutzel, André Weck und Stephan Lauer, den Ehrenvorsitzenden der Kasteler CDU Bernd Kaltenbach, zahlreiche CDU-Stadtbezirksvorsitzende, Amts- und Mandatsträger sowie Vertreter der Kasteler Vereinswelt namentlich nannte.
Anschließend richtete der hessische Kultusminister, Prof. Dr. Ralf-Alexander Lorz, ein Grußwort an die Versammlung. Als Minister und Wahlkreisabgeordneter ist er ein sehr gern gesehener Gast in Kastel, der mit der ihm eigenen freundlichen Art einen Rückblick auf das erste Jahr der aktuellen Legislaturperiode im hessischen Landtag anstellte, dabei keine Zweifel daran ließ, dass die hessische Landesregierung sowie der Ressortchef des Kultusministeriums in diesem Jahr bereits erfolgreich tätig waren, er gleichfalls aber noch einiges vorhabe und guten Willens und voller Elan sei, offene Punkte anzupacken und Lösungen herbeizuführen. Dabei betonte Prof. Lorz, dass es seit Kriegsende keinem seiner Vorgänger ermöglicht worden sei, ähnlich viel Geld in Bildung zu stecken, wie er es in diesem Haushalt zur Verfügung habe. Und damit leitete er über zu seinem Kabinettskollegen, dem hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der – so Prof. Lorz – durch ausgewogene und erfolgreiche Haushaltsführung seit vielen Jahren den Rahmen schaffe, dass z.B. das Kultusministerium monetäre Mittel in einem Umfang zur Verfügung gestellt bekomme, der dem Thema Bildung gerecht werde.
Dr. Thomas Schäfer führte in einem gesellschaftspolitischen Vortrag, der stellenweise sogar philosophische Züge annahm, auf kurzweilige, aber zugleich verbindliche und nachvollziehbare Art und Weise aus, welchen Auftrag Berufspolitiker aus seiner Sicht derzeit haben: Nämlich mit der weitverbreiteten Fehlannahme „Früher war alles besser“ aufzuräumen, auf Jammern zu verzichten und stattdessen Lösungen aufzuzeigen. Er beschrieb die Art und Weise, wie sich aktuell die politischen Extreme gleichsam als gesellschaftliche Antipoden gegenseitig bekriegen und dadurch wechselseitige Echos und erneute Gegenechos auslösen. Links- und Rechtsextreme habe es immer gegeben, sie seien aber immer in der Minderheit gewesen – so auch heute. In Zeiten ausgeprägter Nutzung sozialer Medien beobachtet die stille Mehrheit der politischen Mitte staunend in Facebook & Co. den Kampf dieser Rechts- und Linksaußen, nehme diese als in der Meinungsbildung vorherrschend wahr, weil sie laut und vehement seien. Und fragen sich dabei, wer sich eigentlich thematisch um sie selbst kümmere. So kann sich eine schweigende Mehrheit in der verzerrten Selbsteinschätzung auf einmal als Einzel- oder gar Kleingruppe empfinden, weil ihre aufrechten Mitglieder von den Wenigen am politischen Rand lauthals übertönt werden.
Dr. Schäfer identifizierte es als gesellschaftliche Aufgabe, diesem Phänomen der irrigen Wahrnehmung etwaig verschobener politischer Mehrheiten zu begegnen – vor allem für Funktions- und Mandatsträger in der Politik. Mit einigen statistischen Daten untermauerte er u.a. massive gesundheitliche Verbesserungen der letzten Jahrzehnte und warb dafür, diese in der öffentlichen Diskussion auch herauszustellen, um dem durch Glorifizierung vergangener Tage verursachten Empfinden stetiger Verschlechterung nachhaltig entgegenzustehen und in der Bevölkerung statt Depression berechtigte Hoffnungen auf die Zukunft zu wecken. Selbst für derzeit kritische Themen, wie Klimaschutz, sah er Licht am Horizont und verwies als positive Referenz z.B. auf die vor Jahren durch politische Entscheidung – Verbot von FCKW - erfolgreich gemeisterte, vorher als existenzbedrohend empfundene Krise des sich damals permanent ausweitenden Ozonlochs; heute gibt es diese Bedrohung menschlichen Lebens auf unserem Planeten praktisch nicht mehr.
Die von Dr. Schäfer vorgetragenen Gedanken haben die Anwesenden durchweg positiv überrascht, was der Ehrengast mit einem Schmunzeln dahingehend kommentierte, dass die angerissenen Themen sicher abwechslungsreicher gesehen werden, als die vom Finanzminister üblicherweise erwarteten Zahlen zum Haushaltssicherungskonzept oder zum kommunalen Finanzausgleich – der Beifall der Anwesenden konnte dies nur bestätigen.

Nach zwei Vollblut-Berufspolitikern und Kabinettsmitgliedern reihte sich der Fraktionssprecher der CDU im Ortsbeirat Mainz-Kastel, Ralf Allmannsdörfer, in die Liste der Redner ein und gab einen programmatischen Ausblick der christdemokratischen Fraktion für das kommende Jahr – und ggfs. darüber hinaus. Fünf Leuchttürme stellen die im Stadtteil verfolgten Ziele dar: Eine zusätzliche Rheinquerung (auch unter Verweis auf die mittlerweile begonnene Vollsperrung der Theodor-Heuss-Brücke für den motorisierten Individualverkehr), die Einrichtung eines Gymnasiums in Mainz-Kastel (mit sichtlicher Empörung über das ablehnende Abstimmungsverhalten von Sozialdemokraten und Linken im Ortsbeirat), die Sanierung der drei Bahnunterführungen (verbunden mit einer Aufwertung der Brückenkopf-Unterführung, um die mit Graffiti gestalteten Flächen aus der Schmuddelecke zu holen und zur Freiluftgalerie mit Aufenthaltsqualität zu entwickeln), der Bau eines Parkhauses unter dem Hochkreisel (zur Beseitigung von Dreckecken mit bedenklichen hygienischen Verhältnissen, zur besseren Vernetzung der Verkehrsträger Bahn, ggfs. Schiff, ÖPNV und Individual-KFZ, und um Pendlern, Nutzern von Rheinufer und Event-Gastronomie an Reduit und Bahnhof sowie innerörtlich Parkenden ein Angebot unterbreiten zu können, ggfs. einhergehend mit Parkraumbewirtschaftung im angrenzenden Ortskern zur Verdrängung parkender Fahrzeuge ortsfremder Pendler, die der hier wohnenden Bevölkerung die Parkplätze wegnehmen) und die Komplettierung der Rheinufergestaltung von Eleonorenanlage über Kransand und Reduit entlang des Floßhafens bis zum Kostheimer Mainufer.
Die vorgenannten Punkte stellen das kommunalpolitische Programm der CDU Mainz-Kastel dar und werden in ihrer Umsetzung von der Landeshauptstadt Wiesbaden zeitnah eingefordert. Eingangs hatte Ralf Allmannsdörfer – mit zwinkerndem Auge – auf den Neujahrsempfang des Vorjahres verwiesen, bei dem er eine ähnliche Projektliste mit einem großzügig abgeschätzten Investitionsbedarf „von 300 bis 500 Millionen Euro“ für Kastel reklamiert hatte, bei dessen Abarbeitung die Stadt Wiesbaden aber hinterherhinke und er deshalb einforderte, Fahrt aufzunehmen, weil die CDU Mainz-Kastel noch viele weitere Pläne und Ideen habe…
Reaktionen von Versammlungsteilnehmern zeigten, dass die CDU Mainz-Kastel mit den vorgenannten Programmpunkten ins Schwarze getroffen hat und sich zu Recht nicht davor zurückscheut, große Räder zu drehen.
Nach den Redebeiträgen blieb der Vorsitzenden Ute Pohl, sich bei den Gastrednern, wie den Anwesenden zu bedanken und das Parkett freizugeben für körperliche Stärkung und zahlreiche Gespräche über große und kleine Politik, Nachdenkliches, Privates, Gesellschaftliches, Programmatisches, Heiteres und Besinnliches, wovon die Teilnehmer des Neujahrsempfangs regen Gebrauch machten.

Mit dieser Veranstaltung stellte die CDU Mainz-Kastel erneut unter Beweis, dass sie die einzige politische Kraft im Stadtteil ist, die öffentlich ihre politischen Ziele programmatisch kundtut und damit der Bevölkerung erklärt, für was sie als politische Partei und Fraktion im Ortsbeirat steht. Die CDU Mainz-Kastel reagiert nicht (nur) im Jahresverlauf auf Entwicklungen in Stadt und Land, sondern agiert selbst und versucht zu gestalten, ist dabei berechenbar und kann an ihren Zielen und dem Zielerreichungsgrad gemessen werden, selbst wenn die Ziele sehr hochgesteckt sind und sicherlich nicht im Handumdrehen erreicht werden können. Immer im Interesse des Stadtteils und der Bevölkerung von Mainz-Kastel.










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